Unser Grüntal ist fast ein kleines Biosphärenreservat…

Denn als Rückzugsgebiet für besonders wertvolle Tier- und Pflanzenarten trägt es seinen Namen zurecht, und wir, seine Einwohner pflegen seinen Wert und sind stolz darauf!

Wer mit offenen Augen über unsere Wiesen spaziert, oder in seinem Garten arbeitet, der begegnet unweigerlich der Coronella Austriaca, im Volksmund Schlingnatter oder bei uns im Tal auch Kupfernatter genannt.

CoronellaAustriaca2

Diese Hausschlange der Grüntaler ist völlig friedlich und hat sich an das Leben in unseren Gärten und Wiesen nahezu perfekt angepasst. Sie erreicht eine Länge von bis zu 60 cm, wobei hier in unserem Tal die Zeichnung an der Oberseite nur sehr schwach ausgeprägt ist. Man findet sie unter Steinen, Blumentöpfen und überall dort, wo die Sonne wärmt und das Nahrungsangebot reichhaltig genug ist. Ihre Unterseite leuchtet in der Sonne wie poliertes Kupfer. Die Kupfernatter ist eine sehr versteckt lebende und scheue Schlangenart, die bei Annäherung zuerst einmal ruhig an ihrem Platz verharrt und sich auf ihre Tarnung verlässt. Erst wenn der empfundene Gefahrendruck zu groß wird, flüchtet sie geräuschlos und recht flott. Wer nicht ganz genau schaut, kann die Schlingnatter daher auch leicht übersehen.

Die trächtigen Weibchen setzen im Spätsommer 6-15 Junge in einer durchsichtigen Schleimhülle ab.

Trotz ihrer recht weiten Verbreitung in Österreich zählt die Coronella Austriaca zu den bedrohten Tierarten, in der aktuellen „Roten Liste“ wird sie als „gefährdet“ eingestuft, denn auf Zerstörung, Beeinträchtigung oder Zerstückelung ihrer Lebensräume reagiert sie äußerst empfindlich. Durch die zunehmende Intensivierung in der Land- und Forstwirtschaft sind vielerorts wertvolle Strukturen wie Waldränder, Hangwiesen, Gebüschränder oder Steinhaufen zerstört worden. Besonders bedroht wird diese Art durch Umwandlung von Agrarflächen und Flurneuordnung im Zuge von Kommassierungsmaßnahmen und größeren Bauprojekten.

Dank des Baches mit seinen feuchten Ufern beherbergen unsere Gärten viele Reptilienarten in gerade noch überlebensfähigen Populationen. Zwar stellen beide Straßen links und rechts des Wasserlaufs bereits sehr kritische Grenzlinien dar, die sich aber wegen des eher geringen Verkehrsaufkommens noch nicht artenbedrohend auswirken. Die Schlingnatter benötigt diese Reptilien, denn sie lebt von ihnen. Wir finden diverse Froscharten genauso wie den Feuersalamander, der in Österreich seit 2007 in die Kategorie „NT“ („Gefährdung droht“) fällt.

Feuersalamander im Harz 2014

Seine regionalgeographischen Besonderheiten

  • Weitestgehend ungestörter Bachlauf mit ständiger Wasserführung
  • Hänge auf beiden Seiten
  • Gute Durchmischung von Wald und Wiese
  • Relativ ruhige und naturnahe Siedlungszone mit Gärten
  • Geringer Verkehr

ermöglichen unserem Grüntal seinen ganz besonderen biologischen Status, den es auch für folgende Generationen unbedingt zu erhalten gilt.

Das vorgelegte Bauprojekt „Schafwiese“ würde das biologische Gleichgewicht in unserem Tal nachhaltig und für immer negativ verändern. Sein Einfluss auf die Population und Artenvielfalt liegt aufgrund der Zunahme von Verkehr und Einwohnern auf der Hand. Die Rechnung werden nicht nur Kupfernatter, Feuersalamander und Reptilien bezahlen, sondern wir Alle!

Pflanzen und Tiere haben keine Stimme, sie verschwinden lautlos und zum großen Teil für immer. Naturschutz ist Landeskompetenz und ein einklagbares Menschenrecht. Und neben den rein rechtlichen Möglichkeiten sind Öffentlichkeitsarbeit und eine konsequente, zielgerichtete Artikulation wichtig.

Es grüßt Sie Alle ganz herzlich!

Ihr

Ing.Mag.Dr. Reinhard Hoffmann

 

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